Schulterschluss für erfolgreiche Integration

17. November 2017

Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr kamen die „Wir zusammen“ Unternehmen am 16. und 17. November 2017 zu einem großen überregionalen Netzwerktreffen zusammen. Gastgeber war diesmal Robert Bosch in Stuttgart. Die Veranstaltung bewies erneut, wie engagiert und motiviert die Mitglieder auch weiterhin die Integration von Flüchtlingen vorantreiben und wie wichtig der Austausch und die enge Vernetzung für die Weiterentwicklung der Integrationsprojekte sind. Rund 70 Vertreter aus den Unternehmen nahmen an dem zweitägigen Treffen teil. Der Startschuss fiel bei einer zwanglosen Zusammenkunft am Abend des 16. November bei Netzwerk-Mitglied Motel One in seinem Hotel in Stuttgart-Feuerbach. Am zweiten Tag folgten Vorträge und Workshops bei Bosch. Auf dem Podium mit dabei waren neben Akteuren aus den Unternehmen auch unabhängige Experten für Themen wie sprachliche und fachliche Ausbildung, Aufenthaltsstatus und Traumatisierung.

„Der Netzwerk-Charakter von ‚Wir zusammen‘ macht den Zusammenschluss für die Unternehmen nach wie vor sehr wertvoll. Denn die Vernetzung fördert nicht nur den Austausch, sondern hat auch schon einige erfolgreiche unternehmensübergreifende Kooperationen hervorgebracht“, berichtet „Wir zusammen“ Sprecherin Marlies Peine. „Daher ist es uns wichtig, die Mitglieder bei überregionalen Netzwerktreffen sowie auch bei lokalen Veranstaltungen immer wieder an einen Tisch zu bringen und so die Weiterentwicklung der Integrationsprojekte zu unterstützen.“

Beim Netzwerktreffen in Stuttgart stand der Vormittag des Hauptveranstaltungstages im Zeichen von Vorträgen. Dabei gaben unter anderem Mitarbeiter von Robert Bosch persönliche Einblicke in die Ausbildungsprogramme des Unternehmens. Einem Thema, das viele Unternehmen bewegt, widmete sich Seán McGinley, Leiter der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg e.V. In seinem Beitrag informierte er die Zuhörer, wie sie auf die drohende Abschiebung eines Mitarbeiters angemessen reagieren und wo sie Hilfestellungen erhalten können. Zudem stellte Dirk Werner vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln Ergebnisse aus der Studie „Engagement von Unternehmen bei der Integration von Flüchtlingen“ vor.

Am Nachmittag standen dann verschiedene Workshops auf dem Programm. Neben Best Practice Beispielen, bei denen der aktuelle Status der Integration sowie Ideen für zukünftige Programme beleuchtet wurden, beschäftigte sich eine Gruppe auch mit dem Umgang mit traumatisierten Geflüchteten in den Unternehmen. „Unsere Zusammenkunft in Stuttgart hat erneut gezeigt, dass die Bereitschaft, sich für die Integration der Flüchtlinge zu engagieren, bei den ‚Wir zusammen“ Mitgliedern ungebrochen ist. Dabei stellen sich die Unternehmen auch den Hürden, die es zwei Jahre nach der großen Flüchtlingswelle immer noch gibt, und suchen innerhalb des Netzwerks sowie in Abstimmung mit Behörden und Institutionen nach Möglichkeiten diese abzubauen“, sagt Marlies Peine.

Stimmen von Beteiligten:

„Wir wissen aus Erfahrung, dass die erfolgreiche Integration in den deutschen Arbeitsmarkt mehrere Jahre und gute Vorbereitung benötigt. Das Engagement in lokalen, regionalen und nationalen Initiativen sowie der Austausch mit den Institutionen vor Ort ist dabei ein Schlüssel. Um Geflüchteten eine berufliche Perspektive bieten zu können, brauchen wir insgesamt mehr niederschwellige Informations- und Praktikumsangebote. Der Ausbildungscampus in Stuttgart zum Beispiel unterstützt Geflüchtete mit solchen einfach zugänglichen Informationen. Dort engagieren wir uns gemeinsam mit anderen Unternehmen. Integration findet nicht allein durch Sprachkurse statt, sondern braucht auch ein entsprechendes Umfeld und praktische Aufgaben.“

Siegfried Czock, Leiter Aus- und Weiterbildung, Robert Bosch GmbH

„Wir sehen unser Integrationsprojekt als gesellschaftliche Verantwortung, aber zugleich auch als Chance für Motel One, um motivierte Nachwuchskräfte für die Hotellerie zu begeistern. Wir konnten bereits über 15 neue Mitarbeiter für die Standorte München und Berlin gewinnen. Es ist sehr schön zu beobachten, welche Fortschritte unsere Projektteilnehmer sowohl sprachlich als auch fachlich machen und wie gut sie sich in das Motel One Team integrieren. Das motiviert uns alle!“

Katrin Lepold, Manager Human Relations, Motel One GmbH

„Viele Geflüchtete wollen arbeiten und viele Unternehmen wollen Geflüchtete beschäftigen, doch viel zu oft stellen die bürokratischen Wege eine große Herausforderung für sie dar. Auch der unsichere Aufenthaltsstatus behindert die Integration in den Arbeitsmarkt. Und die lang ersehnte Ausbildungsduldung ist in der Praxis nur sehr schwierig zu erreichen. Es ist nicht einzusehen, wenn Unternehmen nach langem Suchen endlich dringend gebrauchte Auszubildende oder Fachkräfte finden, und dann befürchten müssen, dass diese abgeschoben werden. So wird die vielfach beschworene Integration ad absurdum geführt.“

Seán McGinley, Leiter der Geschäftsstelle, Flüchtlingsrat Baden-Württemberg e.V.

„Flüchtlinge und Kriegsvertriebene haben im Heimatland oder auf der Flucht Tage und Wochen erlebt, die geprägt waren von Krieg, Gewalt, Vertreibung oder auch dem Verlust von Familienangehörigen. Sie verlassen Haus und Hof nicht freiwillig, sondern suchen Schutz vor Verfolgung, ethnischer oder religiöser Herabwürdigung und Diskriminierung. Auch versuchen sie, der Armut zu entkommen. Um hier in Europa ein gutes Leben so schnell wie möglich zu erreichen, lohnt es sich, mit den persönlichen, sozialen und materiellen Ressourcen dieser Menschen zu arbeiten.

Dipl. Psych. Dieter David, Traumatherapie KST, Leiter PBV Stuttgart

“Wir zusammen” Netzwerktreffen in Stuttgart mit den Gastgebern Robert Bosch und Motel One. V.l.n.r.: Dr. Gregor Heemann, Senior Vice President HR, Robert Bosch GmbH; Dr. Wolf Bonsiep, Leiter Ausbildung Bosch-Feuerbach, Robert Bosch GmbH; Marlies Peine, Projektleitung “Wir zusammen”; Siegfried Czock, Leiter Aus- und Weiterbildung, Robert Bosch GmbH; Kerstin Winkelmann, Head of Human Relations, Motel One GmbH; Katrin Lepold, Manager Human Relations, Motel One GmbH und Michael Fecker, Referent Grundsatzfragen Ausbildung, Robert Bosch GmbH.

“Wir zusammen” Netzwerktreffen in Stuttgart mit den Gastgebern Robert Bosch und Motel One. V.l.n.r.: Dr. Gregor Heemann, Senior Vice President HR, Robert Bosch GmbH; Dr. Wolf Bonsiep, Leiter Ausbildung Bosch-Feuerbach, Robert Bosch GmbH; Marlies Peine, Projektleitung “Wir zusammen”; Siegfried Czock, Leiter Aus- und Weiterbildung, Robert Bosch GmbH; Kerstin Winkelmann, Head of Human Relations, Motel One GmbH; Katrin Lepold, Manager Human Relations, Motel One GmbH und Michael Fecker, Referent Grundsatzfragen Ausbildung, Robert Bosch GmbH.

Referent Seán McGinley, Leiter der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg e.V., gab den Mitgliedern Orientierung zum Thema Abschiebung.

Referent Seán McGinley, Leiter der Geschäftsstelle des Flüchtlingsrates Baden-Württemberg e.V., gab den Mitgliedern Orientierung zum Thema Abschiebung.

Dipl. Psych. Dieter David, Traumatherapie KST und Leiter PBV Stuttgart, informierte über den Umgang mit traumatisierten Geflüchteten.

Dipl. Psych. Dieter David, Traumatherapie KST und Leiter PBV Stuttgart, informierte über den Umgang mit traumatisierten Geflüchteten.

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